Klimafonds nicht plündern: Verbände fordern verlässliche Sanierungsförderung

Wer sein Haus dämmt oder die Heizung erneuert, braucht verlässliche Förderung. Genau die ist in Gefahr: Die Bundesregierung will Geld aus dem Klimafonds in den allgemeinen Haushalt verschieben, und die Mittel für die Gebäudeförderung sollen ab 2028 sinken. Gemeinsam mit 22 Verbänden aus Bau, Handwerk, Energie und Immobilienwirtschaft fordert der Verband Wohneigentum die Bundestagsabgeordneten auf, das zu verhindern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bundesregierung will 2027 rund 2,7 Milliarden Euro aus dem Emissionshandel vom Klimafonds in den allgemeinen Haushalt umleiten.
  • Die Mittel für die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sollen ab 2028 deutlich sinken.
  • Der Verband Wohneigentum und weitere Verbände fordern in einem Brief an die Bundestagsabgeordneten verlässliche Förderung.
  • Ohne Planungssicherheit verschieben viele Eigentümer ihre Sanierung. Für viele Haushalte ist sie ohne Förderung nicht bezahlbar.
  • Der Bundestag entscheidet voraussichtlich Ende November 2026 über den Haushalt 2027.
Ein Handwerker dämmt ein Dach. © Panther Media/Kzenon
Dachdämmung von innen: Solche Maßnahmen werden mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gefördert. Ab 2028 könnten die Mittel dafür knapper werden.

Haushalt 2027: Was bei Klimafonds und BEG geplant ist

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) unterstützt Eigentümerinnen und Eigentümer, wenn sie ihr Haus energetisch modernisieren, etwa durch Dämmung, neue Fenster oder eine klimafreundliche Heizung. Bezahlt wird sie aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF). Der speist sich unter anderem aus den Einnahmen des Europäischen Emissionshandels.

Im Entwurf für den Haushalt 2027 plant die Bundesregierung, 2,7 Milliarden Euro dieser Einnahmen in den allgemeinen Bundeshaushalt umzuleiten. Zugleich sollen die jährlichen Mittel für die BEG ab 2028 deutlich sinken. Insgesamt sind bis 2030 zwar rund 44 Milliarden Euro für die Förderung vorgesehen, und das begrüßen die Verbände ausdrücklich. Die Kürzungen in den späteren Jahren passen aber nicht dazu, dass eigentlich mehr saniert werden muss.

Was die Kürzungen für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeuten

Eine Sanierung plant man nicht von heute auf morgen. Wer investieren will, muss sich darauf verlassen können, dass die Förderung auch dann noch da ist, wenn das Projekt startet. Schon die Unsicherheit darüber, wie viel Geld künftig zur Verfügung steht, führt dazu, dass Vorhaben verschoben werden. Für viele Haushalte macht die Förderung eine Sanierung überhaupt erst bezahlbar.

Kurz erklärt: Was ist der Klima- und Transformationsfonds?

Der Klima- und Transformationsfonds (KTF) ist ein Sondervermögen des Bundes. Aus ihm werden Klimaschutzprogramme bezahlt, darunter die Förderung für Dämmung, Fenster und neue Heizungen. Gespeist wird er vor allem aus den Einnahmen des CO₂-Preises, also aus Geld, das auch Eigentümerinnen und Eigentümer beim Heizen mit Öl und Gas zahlen.

Warum sich die Sanierungsförderung für den Staat rechnet

  • Die energetische Gebäudesanierung sichert rund 600.000 Arbeitsplätze und macht etwa 2,5 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung aus. Ein großer Teil davon hängt an der BEG.
  • Das Geld bleibt in der Region: Aufträge gehen an Handwerksbetriebe vor Ort. Über Steuern und Sozialabgaben fließt ein Teil zurück an den Staat.
  • Weniger Folgekosten: Verfehlt Deutschland seine Klimaziele im Gebäudebereich, drohen teure Ausgleichszahlungen auf EU-Ebene. Für viele Haushalte macht die Förderung eine Sanierung überhaupt erst bezahlbar.

Die Zahlen im Haushaltsentwurf 2027

  • Für die BEG sind 2027 rund 12,6 Milliarden Euro eingeplant, etwas mehr als 2026.
  • Bis 2030 sollen die Mittel für Klimaschutz im Gebäudebereich von rund 13 auf rund 10,2 Milliarden Euro pro Jahr sinken. Das ist ein Minus von gut einem Fünftel.
  • 2,7 Milliarden Euro aus dem Emissionshandel sollen in den Kernhaushalt fließen statt in den Klimafonds.

Das fordern der Verband Wohneigentum und seine Partner

  • Die Einnahmen aus dem Emissionshandel müssen vollständig im Klimafonds bleiben und nicht in den allgemeinen Haushalt fließen.
  • Die BEG muss so ausgestattet werden, dass die Gebäudemodernisierung zum Konjunkturmotor werden kann.
  • Förderung braucht Planungssicherheit, damit Eigentümer und Betriebe verlässlich investieren können.

Der Verbändebrief im Wortlaut

Wie es weitergeht

Über den Bundeshaushalt 2027 wird derzeit im Bundestag verhandelt.

  • 8.–11. September 2026: erste Lesung im Bundestag (erledigt)
  • 12. November 2026: Bereinigungssitzung im Haushaltsausschuss. Hier fallen die letzten Änderungen.
  • 27. November 2026: geplante Verabschiedung im Bundestag
  • Danach befasst sich der Bundesrat. Der Haushalt gilt ab 1. Januar 2027.

Unterzeichnende Verände

Bauherren-Schutzbund, Bundesarchitektenkammer, Bundesingenieurkammer (BIngK), Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH), Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), Bundesverband energieeffiziente Gebäudehülle (BuVEG), Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF), Bundesverband für Wohnungslüftung (VfW), Bundesverband GIH – Interessenvertretung für Energieberatende, Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), Deutscher Verband für Facility Management (gefma), EDL_HUB, Handelsverband Deutschland (HDE), Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), Repräsentanz Transparente Gebäudehülle, Verband Beratender Ingenieure (VBI), Verband Fenster + Fassade (VFF), Verband Wohneigentum, Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA), Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger (ZDS)

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