Ungenutzter Wohnraum: Teilen, tauschen oder behalten?
Kann Tauschen oder Teilen von wenig genutztem Wohnraum ein Weg sein, um Wohnraummangel zu lindern? Das hat der gemeinnützige Verband Wohneigentum als bundesweit größter Verband für selbstgenutztes Wohneigentum in einer Online-Befragung unter Eigentümerinnen und Eigentümern untersucht. Das Ergebnis: Es gibt Potenzial – aber auch Vorbehalte. Rund ein Drittel ist offen für eine effizientere Nutzung des eigenen Wohnraums.
Alle zentralen Ergebnisse der Befragung als PDF kostenlos herunterladen:
Teilen, Tauschen, Mieten? Das Potential ungenutzen Wohnraums.
Ergebnisse der Online-Wohnraumbefragung 2024
Wohnraumsuffizienz: Lösung für Wohnraummangel?
Wohnraum ist in Deutschland vielerorts knapp. Gleichzeitig leben manche Wohneigentümer, beispielsweise nach der Familienphase, mit leeren Zimmern oder Etagen, die sie nicht oder nur zum Teil nutzen. Vor diesem Hintergrund diskutieren Fachleute aktuell das "suffiziente Wohnen" als Lösung für den Wohnraummangel. Die Idee: Wer die eigene Wohnfläche reduziert, beispielsweise durch Vermietung ungenutzter Räume oder den Umzug in eine kleinere Wohnung, macht Platz für andere.
Suffizientes Wohnen
Suffizientes Wohnen bedeutet, Wohnraum möglichst bedarfsgerecht und effizient zu nutzen. Gemeint ist, nicht mehr Wohnfläche zu beanspruchen als tatsächlich benötigt wird – etwa indem ungenutzte Räume vermietet, geteilt oder durch einen Umzug in eine kleinere Wohnung frei gemacht werden. Ziel ist es, vorhandenen Wohnraum besser zu nutzen, ohne zwingend neuen Wohnraum bauen zu müssen.
Wohnraum effizient nutzen: Ein Drittel ist aufgeschlossen
Die Ergebnisse zeigen: Ein Teil der Eigentümerinnen und Eigentümer kann sich durchaus vorstellen, vorhandenen Wohnraum künftig anders zu nutzen. 32 % der Befragten stehen einer effizienteren Nutzung grundsätzlich offen gegenüber.
Dabei gibt es unterschiedliche Vorstellungen davon, wie eine solche Veränderung aussehen könnte. 41 % der Aufgeschlossenen wären grundsätzlich bereit, wenig genutzte Räume zu vermieten. 23 % könnten sich vorstellen, durch einen Umzug oder Wohnungstausch die eigene Wohnfläche zu verkleinern.
Damit gibt es durchaus Potenzial, zusätzlichen Wohnraum im Bestand zu schaffen. Gleichzeitig zeigt die Befragung aber auch, dass Interesse allein nicht ausreicht. Wer Wohnraum teilen, umbauen oder die eigene Wohnsituation verändern möchte, steht häufig vor finanziellen, rechtlichen und baulichen Fragen.
Entsprechend groß ist der Wunsch nach Unterstützung. Teil- und Tauschwillige wünschen sich Beratungsangebote, die nicht nur bauliche Möglichkeiten erklären, sondern auch finanzielle, rechtliche und persönliche Aspekte eines Wohnraumwechsels berücksichtigen.
Wohnraum effizienter nutzen
- 32 % der Befragten sind offen für eine effizientere Nutzung ihres Wohnraums.
- 41 % davon könnten sich vorstellen, wenig genutzte Räume zu vermieten.
- 23 % würden einen Umzug oder Wohnungstausch in Betracht ziehen.
Wohnraum teilen? Zwei Drittel sind skeptisch
Die große Mehrheit (68%) der Befragten steht Maßnahmen zur effizienteren Nutzung ihres Wohnraums wie Wohnraumteilung, Untervermietung oder Umzug in eine kleinere Wohneinheit skeptisch gegenüber. Die Frage, ob sie eigenen Wohnraum teilen würden, löst bei vielen Umfrageteilnehmern emotionale Antworten aus.
"Für sie symbolisieren die eigenen vier Wände nicht nur hart erarbeitetes Eigentum, sondern auch die Erfüllung eines Lebenstraums oder Lebensziels", analysiert der Verband-Wohneigentum-Präsident Peter Wegner. Er adressiert an die Politik: “Die politische Kommunikation zum Thema Wohnraumsuffizienz muss daher mit Respekt für verschiedene Motivlagen und Sensibilität erfolgen.”
Was skeptisch macht
- 68 % stehen einer veränderten Nutzung ihres Wohnraums skeptisch gegenüber.
- Die Befragten wünschen sich Beratungsangebote, die finanzielle, rechtliche, bauliche und emotionale Aspekte bei einem Wohnraumwechsel abdecken.
Privatsphäre und Konflikte: Was Eigentümer vom Teilen abhält
Wer darüber nachdenkt, Wohnraum mit anderen Menschen zu teilen, sieht vor allem die eigene Privatsphäre gefährdet. Auch mögliche Konflikte mit Mieterinnen und Mietern bereiten vielen Eigentümerinnen und Eigentümern Sorgen.
Hinzu kommen praktische Hürden. Ein Umbau bislang nicht genutzter Räume kann mit erheblichen Kosten und bürokratischem Aufwand verbunden sein. Auch rechtliche Fragen sind für viele Eigentümerinnen und Eigentümer nicht eindeutig zu beantworten.
Die größten Bedenken
- Einschränkungen der Privatsphäre
- Potentielle Konflikte mit Mietern.
- Finanzielle und bürokratische Hürden beim Umbau
- Rechtliche Unsicherheiten
Mehr Wohnraum im Bestand: Welche Unterstützung Eigentümer brauchen
"Die Schaffung von Wohnraum im Bestand muss vereinfacht und gefördert werden", schlussfolgert Verena Örenbas, Bundesgeschäftsführerin im Verband Wohneigentum. Vermietende Eigentümer seien nicht mit professionellen Investoren zu vergleichen. "Wichtig sind politische Maßnahmen, die natürlich Freiwilligkeit voraussetzen und auch die vielfältigen Bedürfnisse der Eigentümer und Eigentümerinnen berücksichtigen, um eine nachhaltige Veränderung im Wohnraumsektor zu erreichen", betont Örenbas und nennt:
flächendeckende Einführung von erweiterten Wohnberatungsstellen
unabhängige digitale Plattformen zur Vernetzung mit Dienstleistern, Handwerkern und Wohnraumsuchenden
Informationskampagnen, speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten
finanzielle Förderung und steuerliche Anreize für Einliegerwohnungen
Vereinfachung von Baunormen und Baugenehmigungen (soweit möglich)
"Nach unseren Berechnungen ergibt sich theoretisch eine ungefähre Anzahl von 5,3 Millionen Haushalten, die durch eine effizientere Wohnraumnutzung den Wohnungsmarkt entlasten könnten", erklärt Örenbas. "Rechnet man diejenigen heraus, die mögliche Hemmnisse nicht überwinden können, bleiben etwa 1.056.000 Eigentümer-Haushalte übrig, die langfristig Wohnraum zur Verfügung stellen könnten."
Die Zahlen machen deutlich: Im Gebäudebestand steckt ein relevanter Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass dafür nicht allein die Bereitschaft der Eigentümerinnen und Eigentümer entscheidend ist. Es braucht ebenso verlässliche Rahmenbedingungen, Beratung und Unterstützung, damit aus theoretischem Potenzial tatsächlich zusätzlicher Wohnraum entstehen kann.
Online-Umfrage zum Potential ungenutzen Wohnraums
Der Verband Wohneigentum hat in einer Online-Umfrage selbstnutzende Wohneigentümer im Zeitraum vom 17. Januar bis 31. März 2024 nach ihrer Meinung zu dieser Idee gefragt. Wie groß ist die Bereitschaft, die eigene Wohnsituation zu verändern? Was hindert daran? Was könnte motivieren? Die Befragung war eine quantitative Querschnittsanalyse. 930 Teilnehmende beantworteten sie vollständig.