Was bedeutet naturgemäßer Pflanzenschutz?
Naturgemäßer Pflanzenschutz beginnt nicht erst, wenn Blattläuse, Schnecken oder Pilzkrankheiten auftreten. Entscheidend ist, die Pflanzen von Anfang an so zu stärken, dass sie möglichst widerstandsfähig sind. Dazu gehören ein geeigneter Standort, passende und möglichst robuste Pflanzen, ein gesunder Boden, eine ausgewogene Versorgung und vielfältige Lebensräume für Nützlinge.
Treten trotzdem Schädlinge oder Krankheiten auf, sollten zunächst schonende Maßnahmen eingesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise das Absammeln von Schädlingen, das Entfernen befallener Pflanzenteile, Schutznetze oder andere Barrieren. Erst wenn solche Maßnahmen nicht ausreichen, kommen weitere biologische oder biotechnische Verfahren infrage.
Pflanzen stärken statt Schädlinge bekämpfen
Gesunde Pflanzen sind weniger anfällig für Krankheiten und können Fraßschäden besser verkraften. Deshalb beginnt guter Pflanzenschutz bereits bei der Planung des Gartens.
Dazu gehören:
- Pflanzen passend zu Boden, Licht und Klima auswählen
- robuste und widerstandsfähige Sorten bevorzugen
- den Boden mit Kompost und organischem Material gesund erhalten
- Staunässe und extreme Trockenheit vermeiden
- bedarfsgerecht düngen und Überdüngung vermeiden
- auf ausreichenden Pflanzabstand achten
- Mischkultur und Fruchtwechsel nutzen
- Pflanzen regelmäßig kontrollieren, um Probleme früh zu erkennen
Nicht jeder Befall muss sofort bekämpft werden. Ein naturnaher Garten darf einen gewissen Anteil an Blattläusen, Raupen oder anderen Pflanzenfressern beherbergen. Sie sind Teil des Nahrungsnetzes und dienen wiederum Vögeln, räuberischen Insekten und anderen Tieren als Nahrung.
Pflanzenschutz im Naturgarten
Sogenannte Schädlinge oder Krankheiten bekämpfen möchte, sollte möglichst versuchen, dass diese erst gar nicht die Pflanzen befallen. Sinnvoll ist Pflanzenschutz nur dann, wenn durch ineinandergreifende Maßnahmen ein Integrierter Pflanzenschutz erreicht wird. Dieser ist im § 2 des Pflanzenschutzgesetzes (PflSchG) definiert.
Beim Integrierten Pflanzenschutz werden verschiedene Verfahren in einer bestimmten Rangfolge miteinander kombiniert. Im Vordergrund steht die Förderung der Pflanzengesundheit durch allgemeine Maßnahmen (z.B. richtige Standort- und Sortenwahl), die dann kombiniert werden mit Schutz, Förderung und dem direkten Einsatz von Nützlingen, biologischen Mitteln (z.B. Pflanzenstärkungsmitteln), biotechnischen Verfahren (z.B. Leimtafeln, Pheromone), mechanischen Maßnahmen (z.B. Absammeln) und letztendlich auch dem chemischen Pflanzenschutz.
Auf chemischen Pflanzenschutz sollte im Garten verzichtet werden. Viel sinnvoller ist es, biologische Zusammenhänge zu beachten, Vielfalt im Garten zu fördern und alle naturgemäßen Pflanzenschutzmethoden konsequent anzuwenden.
Hier unsere Tipps:
- Nützlinge fördern. In einem naturnahen Garten mit viel Unterschlupf-, Nistmöglichkeiten und einem großen Nahrungsangebot für Nützlinge wie Vögel, Florfliegen, Schwebfliegen, Igel, etc. kommt es selten zu einer Massenvermehrung von sogenannten Schädlingen. Ziel sollte immer ein funktionierender Naturkreislauf im Garten sein.
- Auf standortgerechte Pflanzenauswahl achten (Boden, Licht, Klima).
- Standorte lassen sich durch Maßnahmen optimieren, die das Kleinklima verbessern (gezielte Beschattung, Windschutzhecken, etc.)
- Resistente oder tolerante Sorten verwenden.
- Hygiene in der Jungpflanzenanzucht (saubere Gefäße, Werkzeuge; keimfreie Erden).
- Nur gesundes Pflanz- und Saatgut verwenden. Standortangepasste, lokale Gemüse- und Obstsorten bevorzugen.
- Optimale Bodenvorbereitungund Bodenpflege.
- Eine an den Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung, möglichst nach einer Bodenanalyse.
- Fruchtfolge und den Fruchtwechsel beachten und Mischkulturenbevorzugen.
- Einzelne Schädlinge oder Eigelege absammeln. Befallene Blätter, Triebe, Knospen oder Früchte per Hand entfernen, bzw. ausschneiden.
- Wenn erforderlich und zur Befallskontrolle: Einsatz von Gelb-, Blautafeln, Leimringen, Wellpappgürtel, Pheromonfallen.
- Nützlinge gezielt einsetzen, besonders im Gewächshaus, Wintergarten und Innenraum ist dies die beste und effektivste Möglichkeit der Schädlingsbekämpfung.
- Manche Tiere wie Raupen, Blattläuse und Schnecken stellen eine wichtige Nahrungsquelle für andere Tierarten dar. Im Hausgarten kann ein gewisser Befall toleriert werden, wenn die Pflanzen nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen werden.
Sven Görlitz