Apfelwickler erkennen: Typische Schäden am Apfel
Der Apfelwickler (Cydia pomonella) ist einer der wichtigsten Schädlinge an Apfelbäumen. Nicht der kleine Falter selbst verursacht die typischen Schäden, sondern seine Larve – die „Apfelmade“ oder „Obstmade“. Sie frisst sich in die heranreifenden Äpfel und gelangt dabei häufig bis zum Kerngehäuse. Befallene Früchte werden deshalb auch als wurmstichig bezeichnet.
Der Apfelwickler fliegt nicht sehr weit. Deshalb sind Maßnahmen besonders sinnvoll, die den Entwicklungszyklus des Schädlings direkt am betroffenen Baum unterbrechen.
Die Larven sind anfangs weißlich und später rötlich gefärbt und haben einen braunen Kopf. Sie fressen im Inneren der sich entwickelnden oder reifenden Früchte.
Typische Anzeichen für einen Befall sind:
- ein Einbohrloch an der Frucht
- braune bis rötliche Kotkrümel am gebohrten Loch
- ein teilweise rötlich umrandetes Loch
- Fraßgänge bis zum Kerngehäuse
- dunkelbraune, feuchte Kotkrümel im Inneren der Frucht
- vorzeitig abfallende, befallene Äpfel
Bei noch unreifen Früchten ist ein Befall von außen oft nur schwer zu erkennen. Wer sicher gehen möchte, kann einige verdächtige Früchte aufschneiden. Im Inneren sind dann die Fraßgänge und Kotkrümel sichtbar.
Apfelwickler: Entwicklung und Lebenszyklus
Je nach Region und Witterung können zwei Generationen pro Jahr auftreten. In besonders warmen Weinbauregionen wurde auch eine dritte Generation beobachtet.
- Die Raupen überwintern geschützt in Kokons, unter anderem unter Rindenschuppen.
- Gegen Ende April beginnt die Verpuppung.
- Die Falter der ersten Generation fliegen meist im Mai und Juni. Sie sind vor allem abends und nachts aktiv.
- Die Weibchen legen ihre Eier einzeln auf jungen Früchten oder in deren Nähe ab.
- Nach etwa ein bis zwei Wochen schlüpfen die Larven.
- Nach wenigen Tagen bohren sie sich in die Früchte ein.
- Ausgewachsene Raupen verlassen die Früchte und suchen einen geschützten Platz am Baum oder am Boden.
- Ein Teil entwickelt sich noch im selben Jahr zur nächsten Generation.
- Die zweite Generation tritt vor allem im Juli und August auf.
Wichtig: Der genaue Zeitpunkt von Falterflug, Eiablage und Schlupf hängt stark von Temperatur, Witterung und Region ab. Die Bekämpfung der ersten Generation ist besonders wichtig zur Populationsreduzierung. Das Auftreten der zweiten Generation ist insbesondere für die Ernte problematisch.
Mechanische Maßnahmen
Mechanische Maßnahmen
- Abgefallene Früchte regelmäßig aufsammeln. Möglichst häufig, bevor die Larven die Früchte verlassen.
- Äste des Baumes schütteln, damit befallene Früchte herausfallen.
- Befallene Früchte nicht auf den Kompost geben.
- Ab Mitte Juni Wellpapp-Fanggürtel am Stamm anbringen. Larven nutzen diese zur Überwinterung und Verpuppung. Die Fanggürtel sollten einmal wöchentlich auf auf Larven und Puppen kontrolliert werden. Larven und Puppen können abgesammelt und so umweltfreundlich vernichtet werden.
- Wellpapp-Fanggürtel bei den Kontrollen gegebenenfalls durch einen neuen ersetzen. Mit Wellpapp-Fanggürteln kann nur ein Teil der Apfelwickler bekämpft werden.
- Fanggürtel Ende Oktober entfernen. (Leimringe gegen den Frostspanner
- Stammpflege von älteren Bäumen im Winter/Frühjahr: Durch kräftiges Abbürsten der Rinde können Sie Raupen und Puppen reduzieren. Der Einsatz eines Hochdruckreinigers hat sich bewährt. Dabei den Druck nicht zu hochstellen, da sonst die Rinde beschädigt wird.
Apfelwickler biologisch bekämpfen
- Von Mitte Mai bis Anfang September kann ein Großteil der männlichen Falter mit Pheromon-Fallen (Sexual-Lockstoff-Fallen) abgefangen werden. Dadurch wird die Anzahl der befruchteten Weibchen reduziert und somit auch die Anzahl der madigen Früchte.
- Die Bekämpfung mit Granulose-Viren kann (wie bei einem chemischen Präparat) nur in einem sehr engen Zeitfenster stattfinden. Der Einsatz muss nach max. 4 Tagen, wenn die jungen Raupen die Eier verlassen, erfolgen. Der richtige Zeitpunkt liegt in den meisten Fällen, bei der ersten Generation zwischen Mitte/Ende Juni und bei der zweiten Generation zwischen Mitte/Ende August.
- Eine zusätzliche Bekämpfung mit Nematoden in der Zeit von September bis März ist möglich. Hinweis: Dafür müssen die Temperaturen mehrere Stunden über 10°C liegen! Das in eine saubere Spritze gefüllte Spritzmittel wird dann auf Stämme und Äste ausgebracht. Veredlungsstelle und sehr borkige Stellen (insbesondere an älteren Bäumen) gut benetzen.
Philippe Dahlmann