Eine Wärmepumpe funktioniert nur im Neubau.
Stimmt das?
Dr. Marek Miara: Nein. Dieses Vorurteil stammt aus einer Zeit, als Wärmepumpen technisch noch deutlich eingeschränkter waren. Moderne Geräte erreichen heute wesentlich höhere Vorlauftemperaturen und können deshalb auch viele ältere Bestandsgebäude zuverlässig beheizen.
Natürlich gilt: Jede energetische Sanierung verbessert die Effizienz. Aber sie ist keine Voraussetzung für den Einbau einer Wärmepumpe. Unsere Untersuchungen an mehr als 400 Bestandsgebäuden zeigen, dass viele Anlagen auch in älteren Häusern sehr gut funktionieren. Oft reichen bereits wenige Anpassungen, etwa der Austausch einzelner Heizkörper.
Bei Frost wird das Haus nicht mehr warm.
Stimmt das?
Dr. Miara: Das erscheint zunächst unlogisch, funktioniert physikalisch, aber problemlos. Wärmepumpen entziehen der Außenluft auch bei Minusgraden noch Wärme.
Es gibt sogar Tests mit Luftwärmepumpen bei Temperaturen von minus 35 Grad. Auch in Deutschland haben die von uns untersuchten Anlagen während der vergangenen Kälteperioden zuverlässig gearbeitet. Minusgrade sind für moderne Wärmepumpen kein grundsätzliches Problem.
Wärmepumpen sind viel zu laut.
Dr. Miara: Frühere Geräte waren teilweise tatsächlich lauter. Heute gibt es jedoch große Unterschiede zwischen den Modellen. Wer in dichter Bebauung lebt, kann gezielt besonders leise Geräte auswählen. Deutschland hat zudem strenge Schallschutzvorschriften. Das hat dazu beigetragen, dass viele hier angebotene Wärmepumpen besonders geräuscharm arbeiten.
Mit einer Wärmepumpe wird das Heizen teurer.
Dr. Miara: Man muss zwischen Anschaffungs- und Betriebskosten unterscheiden.
Nach unseren Berechnungen spart eine durchschnittlich effiziente Wärmepumpe in einem unsanierten Einfamilienhaus mit rund 150 Quadratmetern Wohnfläche derzeit etwa 800 Euro Betriebskosten pro Jahr gegenüber einer Gasheizung.
Zusätzlich können Photovoltaik, Batteriespeicher oder künftig dynamische Stromtarife die Heizkosten weiter senken. Auf steigende Gaspreise haben Verbraucher dagegen keinen Einfluss.
Ohne Komplettsanierung lohnt sich der Umstieg nicht.
Dr. Miara: Viele glauben, die Energiewende mit Wärmepumpe, Photovoltaik, Batteriespeicher und Fassadendämmung müssten gleichzeitig umgesetzt werden. Das stimmt nicht. Alle diese Maßnahmen ergänzen sich sinnvoll. Sie sind jedoch keine Voraussetzung für den Einbau einer Wärmepumpe. Wer Schritt für Schritt modernisiert, kann ebenfalls erfolgreich auf die neue Heiztechnik umsteigen.
Im Winter heizt sowieso nur der Heizstab.
Dr. Miara: Der Heizstab dient lediglich als Absicherung für seltene Spitzenlasten oder Störungen. Unsere Untersuchungen zeigen, dass er im normalen Betrieb nur äußerst selten eingesetzt wird. Sein Anteil am gesamten Stromverbrauch ist so gering, dass er die Effizienz der Wärmepumpe kaum beeinflusst.
Wärmepumpen sind schlecht fürs Klima, weil sie Strom verbrauchen.
Dr. Miara: Entscheidend ist nicht, dass eine Wärmepumpe Strom nutzt, sondern wie effizient sie ihn nutzt. Der deutsche Strommix wird kontinuierlich klimafreundlicher und moderne Wärmepumpen arbeiten heute deutlich effizienter als noch vor einigen Jahren. Dadurch verursachen sie bereits heute erheblich weniger CO₂ als moderne Gasheizungen. Dieser Vorteil wird mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien künftig noch größer.
Fazit: Fernwärme oder Wärmepumpe?
Dr. Miara: Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend ist, wie die Fernwärme erzeugt wird. Stammt sie überwiegend aus erneuerbaren Energien oder großen Wärmepumpen, kann sie eine sehr gute Lösung sein. In vielen Gebieten wird jedoch die dezentrale Wärmepumpe langfristig wirtschaftlicher sein.
3 Expertentipps für Sie
Lassen Sie sich nicht verunsichern. Eine Wärmepumpe zu nutzen ist keine politische Entscheidung, sondern eine Entscheidung für eine ausgereifte Technologie.
Holen Sie im Zweifel eine zweite Meinung ein. Wenn ein Betrieb den Einbau pauschal ausschließt, lohnt sich oft die Einschätzung eines weiteren Fachbetriebs.
Wer den Heizungstausch plant, sollte nicht zu lange warten. Moderne Wärmepumpen sind technisch ausgereift. Gleichzeitig sinkt die staatliche Förderung. Nach Einschätzung von Dr. Miara werden niedrigere Zuschüsse kurzfristig kaum durch sinkende Preise ausgeglichen.