Pflanzenschutz im Garten: Zwischen Anspruch und Praxis
Wie gehen Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer mit Pflanzenschutz um? Welche Methoden setzen sie ein und wo wünschen sie sich Unterstützung? Diesen Fragen ist die Gartenberatung des Verbands Wohneigentum mit einer Online-Befragung im Zeitraum vom 1. April bis zum 31. Juli 2026 nachgegangen. Gut 600 Menschen haben teilgenommen – und ein differenziertes Bild gezeichnet.
Umweltschonender Pflanzenschutz: Klarer Wunsch der Teilnehmenden
Die Ergebnisse zeigen zunächst eine klare Haltung: Für 96,4 % der Befragten ist umweltschonendes Gärtnern wichtig oder sehr wichtig. Der Wunsch, Pflanzen gesund zu erhalten und gleichzeitig Natur, Boden und Insekten zu schützen, ist damit fest im Bewusstsein der Teilnehmenden verankert.
Auch die bevorzugten Pflanzenschutzmaßnahmen spiegeln diesen Anspruch wider. Am häufigsten setzen die Teilnehmenden auf vorbeugende Maßnahmen, etwa die Auswahl robuster Pflanzen oder eine gute Pflanzenpflege. Ebenfalls weit verbreitet sind mechanische Methoden wie Absammeln oder Schutznetze sowie biologische Verfahren und Hausmittel.
Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel: Anspruch und Wirklichkeit
Die Umfrage macht aber auch deutlich, dass Anspruch und Praxis nicht immer deckungsgleich sind. Trotz der hohen Zustimmung zum umweltschonenden Gärtnern greift rund jede bzw. jeder Fünfte (20 %) nach wie vor zu chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln.
Aus Sicht der Gartenberatung des Verbands Wohneigentum ist dies kritisch zu bewerten. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sollten im Privatgarten grundsätzlich nicht eingesetzt werden, da sie nicht nur Schadorganismen treffen, sondern auch Nützlinge und andere Bestandteile des natürlichen Ökosystems beeinträchtigen können. Ein naturnaher Garten lebt jedoch gerade von stabilen biologischen Kreisläufen.
Dennoch zeigt sich ein positiver Trend: Bei einer vergleichbaren Mitgliederbefragung aus dem Jahr 2014 lag der Anteil der Nutzer chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel noch bei 27 %. Innerhalb von zwölf Jahren ist dieser Wert damit um rund ein Viertel zurückgegangen. Das deutet darauf hin, dass immer mehr Gartenbesitzer alternative Wege ausprobieren und annehmen.
Informationsquellen zum Pflanzenschutz: Internet und Gartenberatung gefragt
Wer Fragen zum Pflanzenschutz hat, informiert sich heute vor allem im Internet. Gleichzeitig gehört die Gartenberatung des Verbands Wohneigentum zu den wichtigsten Informationsquellen der Teilnehmenden – ein deutliches Zeichen für das Vertrauen der Mitglieder in unabhängige und praxisnahe Beratung.
Besonders interessant sind die Antworten auf die offene Frage nach den Wünschen der Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer. Drei Themen ziehen sich durch viele Antworten:
- An erster Stelle steht der Wunsch nach mehr verständlichen und unabhängigen Informationen – etwa zur Erkennung von Schaderregern, zu vorbeugenden Maßnahmen oder zur richtigen Auswahl geeigneter Methoden.
- Ebenso häufig wünschen sich die Teilnehmenden mehr biologische und umweltschonende Lösungen, die Nützlinge, Bodenleben und Artenvielfalt schützen.
- An dritter Stelle steht der Wunsch nach wirksamen Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmitteln. Viele Mitglieder möchten bewusst auf chemische Mittel verzichten, erwarten aber gleichzeitig praxistaugliche und zuverlässige Lösungen gegen Krankheiten und Schädlinge.
Fazit: Mehr biologischer Pflanzenschutz für gesunde Gärten
Die Umfrage zeigt: Menschen möchten naturnah gärtnern und Verantwortung für Umwelt und Artenvielfalt übernehmen. Gleichzeitig wird deutlich, dass gute Beratung und leicht umsetzbare Alternativen entscheidend sind, um den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel weiter zu reduzieren.
Für die Gartenberatung des Verbands Wohneigentum ist das ein klarer Auftrag: Wir werden unsere Mitglieder auch künftig mit unabhängigen Informationen, praxisnahen Empfehlungen und naturnahen Lösungen dabei unterstützen, gesunde Gärten im Einklang mit der Natur zu gestalten.
Anna Florenske