Förderung ja – aber wie? Umfrage zur staatlichen Förderung für Eigentümer

Förderung wirkt: 43 Prozent hätten ohne sie gar nicht investiert. Doch Programmstopps und Banken, die abwinken, bremsen viele Eigentümer aus. Unsere Umfrage zeigt, wo es hakt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Knapp acht von zehn Befragten halten staatliche Förderung für den richtigen Weg, um Investitionen ins Wohneigentum anzustoßen.
  • Bei 67 Prozent hat die Förderung beeinflusst, ob oder wie viel sie investieren. 43 Prozent hätten ohne Unterstützung gar nicht investiert.
  • Kurzfristig geänderte oder gestoppte Programme hat mehr als jeder Vierte erlebt, meist mit Folgen für das Vertrauen in die Förderung.
  • Rund 80 Prozent tun sich schwer, den Überblick über die Programme zu behalten, fast die Hälfte hatte durch Auflagen Mehrkosten.
  • Der Verband Wohneigentum fordert unter anderem Planungssicherheit, weniger Bürokratie und Förderkredite, die bei jeder Bank erhältlich sind.
Reihe von Einfamilienhäusern © Verband Wohneigentum/Ahmerkamp
Viele Einfamilienhäuser in Deutschland wurden gebaut, bevor 1977 die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft trat. Entsprechend hoch ist der Sanierungsbedarf, und ohne Förderung wären viele Vorhaben kaum zu stemmen.

Die Idee ist gut, das System oft nicht. So lässt sich zusammenfassen, wie Eigentümerinnen und Eigentümer auf staatliche Förderungen blicken. In der aktuellen Umfrage des Verbands Wohneigentum halten knapp acht von zehn Eigentümern staatliche Förderprogramme, die Investitionen in Wohneigentum unterstützen, für den richtigen Weg. Ähnlich viele sagen allerdings auch: Ich blicke da nicht mehr durch.

Auswertung der Online-Umfrage

Über die Befragung: 558 Stimmen aus dem selbstgenutzten Wohneigentum

“Staatliche Förderung für Eigentümerinnen und Eigentümer - Unterstützung oder Frust?” lautete die Leitfrage der Online-Befragung, die der Verband Wohneigentum vom 1. Juni bis zum 31. August 2026 durchgeführt hat. Sie richtete sich an Menschen, die ihr Haus oder ihre Wohnung selbst bewohnen. 558 Personen haben teilgenommen. Die Antworten sind nicht repräsentativ, lassen aber Rückschlüsse darauf zu, welche Bedeutung Förderung für den Einzelnen hat und welche Hürden die Eigentümerinnen und Eigentümer möglicherweise davon abhalten, sie in Anspruch zu nehmen.

Förderung wirkt: Bei zwei Dritteln entscheidet sie über das Ob und Wie

Dass Förderung im Grundsatz auf breite Zustimmung stößt, überrascht kaum: 78 Prozent der Befragten halten sie für den richtigen Hebel, um Investitionen anzustoßen. Spannender ist die Frage, wie viel dieser Hebel tatsächlich bewegt. Die Antwort fällt deutlich aus. 43 Prozent hätten ohne staatliche Unterstützung gar nicht investiert, weitere 24 Prozent weniger Geld in die Hand genommen. Bei zusammen 67 Prozent hat die Förderung also beeinflusst, ob und in welchem Umfang investiert wurde. Nur 23 Prozent hätten ohne staatliche Unterstützung genauso viel Geld ausgegeben.

Verbandspräsident Peter Wegner: „Das zeigt, dass Förderungen ihr eigentliches Lenkungsziel erreichen, nämlich mehr Investitionen in die Bildung von Wohneigentum, Wohnraumanpassungen und klimafreundliche Sanierungen anzustoßen. Das Geld löst positive Verhaltensänderungen aus, der Mitnahmeeffekt ist vergleichsweise gering.“

 

Für einen erheblichen Teil der Haushalte ermöglicht die staatliche Unterstützung erst, dringend notwendige Arbeiten anzugehen. 42 Prozent geben an, erforderliche Maßnahmen überhaupt nur mit Förderung finanzieren zu können – oder aber sie selbst mit Förderung nicht vollständig finanziell stemmen zu können. 

Auch bei mittleren und höheren Einkommen gibt Förderung oft den Ausschlag

Interessant dabei ist: Mit steigendem Einkommen verliert die Förderung nicht einfach an Wirkung. Häufiger als angenommen beeinflusst sie die Investitionsentscheidung von Haushalten mit 5.001 bis 7.500 Euro netto im Monat. Ein möglicher Grund: Hier leben oft größere Familien in geräumigen Häusern, die mehrheitlich vor 1979 gebaut wurden – entsprechend hoch sind die Sanierungskosten. Erst oberhalb von 7.500 Euro hätten deutlich mehr Befragte unter vergleichbaren Bedingungen auch ohne Unterstützung genauso investiert

Programmstopp und Ablehnung: Wenn Förderung zum Risiko wird

Für viele selbstnutzende Eigentümerinnen und Eigentümer stellt eine umfassende Sanierung oder Modernisierung nach dem Immobilienkauf die zweitgrößte Investition ihres Lebens dar. Wird eine fest eingeplante Förderung dann kurzfristig geändert oder gestoppt, kann das ganze Vorhaben ins Wanken geraten. 27 Prozent der Befragten haben genau das erlebt. Rund zwei Drittel von ihnen sagen, dass es ihr Vertrauen in Förderprogramme beschädigt hat.

Auch abgelehnte Anträge haben folgen. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat die geplanten Maßnahmen danach gar nicht oder nur in kleinerem Umfang umgesetzt.

Aufwand beim Förderantrag: Mehrkosten und viele Stunden Arbeit

Wer Fördermittel beantragen will, braucht Geduld und oft auch zusätzliches Geld. Fast die Hälfte der Befragten, nämlich 48 Prozent, berichtet von Mehrkosten, weil etwa Fachbetriebe vorgeschrieben waren oder Nachweise und andere Auflagen erfüllt werden mussten. Hinzu kommt der Zeitaufwand: 13 Prozent haben mehr als 20 Stunden in Recherche, Antrag und Rückfragen gesteckt. 

Ältere Eigentümer: Förderung und Kredit oft schwer erreichbar

Wer hat es beim Thema Förderung besonders schwer? Hier sind sich die Befragten ungewöhnlich einig: 80 Prozent sehen ältere Eigentümerinnen und Eigentümer im Nachteil. Das betrifft nicht nur digitale Antragsverfahren oder den Zugang zu Beratung. Steht eine größere Sanierung an, wird für Seniorinnen und Senioren oft schon die Finanzierung zum Problem. Ansätze gibt es durchaus, etwa lange Kreditlaufzeiten, tilgungsfreie Jahre oder spezielle Seniorenkredite. Auch der Wertzuwachs, den eine Sanierung erwarten lässt, kann bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit berücksichtigt werden. In der Praxis bleibt der Weg zum Kredit für Ältere trotzdem häufig steinig.

Was ist ein gebäudegebundener Sanierungskredit?

Beim üblichen Sanierungskredit haftet die Person, die ihn aufnimmt, bis zur letzten Rate. Ein gebäudegebundener Kredit hängt dagegen an der Immobilie: Wird das Haus verkauft, übernehmen die neuen Eigentümer die restlichen Raten, denn sie profitieren ja auch von der neuen Heizung oder der gedämmten Fassade. Gerade für Ältere entfällt damit die Sorge, eine Investition abzuzahlen, die sich für sie selbst vielleicht nicht mehr vollständig auszahlt.

In den USA gibt es solche Modelle unter dem Namen PACE schon länger. In Deutschland fehlt bislang der rechtliche Rahmen, deshalb fordert der Verband Wohneigentum Bund und Länder zum Handeln auf.

Förderdschungel und Hausbank: Warum viele Anträge nie gestellt werden

Das Förderungssystem empfinden viele als kompliziert: Rund 80 Prozent der Befragten fällt es schwer, den Überblick über die Förderprogramme zu behalten. Bildung, Alter oder Einkommen spielen dabei kaum eine Rolle. Ein Drittel wusste zudem nicht, dass sich verschiedene Programme miteinander kombinieren lassen.

Ähnlich sieht es beim Weg zum Förderkredit aus. Dass er über die eigene Hausbank beantragt wird, war für 40 Prozent der Befragten neu. Und selbst wer es weiß, kommt nicht immer ans Ziel: Rund jede vierte befragte Person hat erlebt, dass die Bank KfW-Förderungen gar nicht anbietet oder bei kleineren Kreditsummen zusätzliche Hürden aufbaut.

Die Folgen sind erheblich. Knapp zwei Drittel der Betroffenen haben die Förderung daraufhin gar nicht erst beantragt, nur gut ein Drittel hat sich eine andere Bank gesucht. 

5 Forderungen des Verbands Wohneigentum an die Politik

Die Ergebnisse zeigen: Förderung wirkt, wenn Eigentümerinnen und Eigentümer sich auf sie verlassen können und den Weg zu ihr finden. Aus Umfrage hat der Verband Wohneigentum deshalb 5 Forderungen an die Politik abgeleitet.

  1. Förderung, die wirkt: Förderung soll dort ansetzen, wo sie zusätzliche oder umfangreichere Investitionen auslöst. Dafür braucht es verlässliche Förderhöhen, die zur Investitionssumme und zu den finanziellen Möglichkeiten der Haushalte passen.
  2. Planungssicherheit: Für Vorhaben, die bereits konkret vorbereitet sind, dürfen sich die Bedingungen nicht kurzfristig verschlechtern. Programmänderungen brauchen verbindliche Übergangsfristen und Bestandsschutz.
  3. Weniger Aufwand: Nachweise, Fachbetriebspflichten und Antragsverfahren dürfen den Anreiz zum Investieren nicht durch Kosten und Bürokratie wieder aufzehren.
  4. Finanzierung, die am Haus hängt: Bund und Länder sollen einen rechtssicheren Rahmen für freiwillige, langfristige Sanierungskredite schaffen, die an das Gebäude gebunden sind. Die Raten laufen über die Nutzungsdauer der Maßnahme und gehen bei einem Verkauf auf die neuen Eigentümerinnen und Eigentümer über. Eine vorzeitige Ablösung bleibt möglich. Finanziert wird nur, was nach Abzug der Fördermittel übrig bleibt. Das erleichtert gerade Älteren und Haushalten mit wenig Eigenkapital den Weg zur energetischen Sanierung.
  5. Zugang über jede Bank: Förderkredite müssen auch bei kleinen Summen tatsächlich verfügbar sein, Informationen zu Programmen, Kombinierbarkeit und Antragswegen müssen einfach und transparent sein.

Methodik

„Staatliche Förderung für Eigentümerinnen und Eigentümer – Unterstützung oder Frust?“ Online-Befragung des Verbands Wohneigentum vom 1. Juni bis 31. August 2026 unter Menschen, die ihr Haus oder ihre Wohnung selbst bewohnen. 558 Teilnehmende. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ. Vorgestellt am 24.09.2026 im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.

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